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Was machen eigentlich... Medizinische Fachangestellte?

Wenn sich die Zeiten ändern, ziehen die Berufe mit: Die „Sprechstundenhilfe“ von einst hat längst ausgedient, und auch die „Arzthelferin“ gibt es nicht mehr. Seit 2006 heißen die unersetzlichen Multitalente in Krankenhäusern und Arztpraxen „Medizinische Fachangestellte“ (MFA). Die Umbenennung des Berufsbilds hat Gründe: Medizinische Fachangestellte greifen heutzutage nicht einfach nur Ärzt:innen unter die Arme – als Bindeglieder zwischen Ärzt:innen, Fachabteilung und Patient:innen sind sie wichtige Stützen des gesamten Betriebs.

Als MFA in der Neurologie führt Jana Rosbach tagtäglich verschiedenste Funktionsmessungen mit den Patient:innen durch.

Vom Verband Freier Berufe in Hessen wurde Jana Rosbach für hervorragende Leistungen während ihrer Ausbildung ausgezeichnet.

Jana Rosbach hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zur MFA mit Bravour und Auszeichnung bestanden - mit ihr sprachen wir über den Ablauf der Ausbildung, Prüfungsinhalte und ihren jetzigen Arbeitsalltag.

Frau Rosbach, warum haben Sie sich für diesen Ausbildungsgang entschieden?

Mein Schul-Praktikum in einer gynäkologischen Praxis hat für mich den Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA) ins Blickfeld gerückt. Das Arbeiten mit Menschen vereint mit medizinischem Hintergrundwissen – das fand (und finde ich immer noch) sehr spannend. Und so stand die Entscheidung, wie es nach dem Fachabitur für mich weiter geht, schnell fest. So schnell, dass ich bereits ein Jahr vor meinem Abschluss, den Ausbildungsplatz sicher hatte.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Ausbildung im Krankenhaus zu absolvieren und nicht im ambulanten Bereich?

Der Ausbildungsort war für mich, ehrlich gesagt, zweitrangig. Fest stand für mich erst einmal nur, dass ich unbedingt Medizinische Fachangestellte werden möchte. Als ich dann von der Ausbildung im St. Vincenz gehört hatte, habe ich mich dann natürlich sofort dort beworben und es nicht bereut. Inzwischen ist es hier so, dass MFAs in der Ausbildung auch in den Praxen der Medizinischen Versorgungszentren eingesetzt werden, sodass sie auch den ambulanten Bereich kennen lernen.

Wie gestaltet sich die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten?

Ein wichtiger Aspekt in dieser Ausbildung sind Patientenkontakte, also der Umgang und die Kommunikation mit Patienten. Das lernt man zunächst im Sekretariat, nach kurzer Zeit darf man dann aber auch mit zu Untersuchungen. In den verschiedenen Funktionsabteilungen lernt man anschließend, wie verschiedene Funktionstest und Voruntersuchungen durchgeführt werden, wie z.B. Belastungs- oder Langzeit EKGs, Langzeitblutdruckmessungen, Blutabnahmen. Man lernt beispielsweise auch wie man bei Knochenmarkpunktionen assistiert. Neben den medizinischen Aufgabengebieten, sind aber auch wirtschaftliche Aspekte in der Ausbildung fest verankert: Akten vorbereiten oder Abrechnungen am Ende des Quartals. Mir hat es wirklich gut gefallen, dass die Ausbildung so praxisnah war. Den Großteil der Ausbildung absolviert man direkt am späteren Arbeitsplatz, also in meinem Fall im Krankenhaus. Ein bis zwei Tage in der Woche hatte ich zudem theoretischen Unterricht in der Adolf-Reichwein-Schule.

Nach drei Jahren praktischem und theoretischem Lernen stehen die letzten großen Prüfungen an. Wie genau sehen diese aus?

Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. In der schriftlichen Prüfung werden sowohl medizinische Themen abgefragt als auch wirtschaftliche. In der mündlichen Prüfung muss man dann vor einem dreiköpfigen Prüfungskomitee einen Fall vorstellen. Dabei beschreiben die Prüfer zunächst, an welchem Krankheitsbild ein Patient leidet, und der Prüfling muss anschließend erklären, welche Behandlungen er mit und an dem Patienten durchführen würde. Theoretisch können dabei Krankheitsbilder aus sämtlichen Bereichen abgefragt werden, man kann sich also nicht während der Ausbildung auf einen Bereich spezialisieren. Bei meiner Prüfung sollte ich den Prüfer:innen erklären, wie ich reagiere und welche Handlungen ich durchführe, wenn vor mir ein Patient mit Bluthochdruck steht.

Sie haben Ihre Ausbildung mit Bravour bestanden und wurden noch extra ausgezeichnet. Was war das für ein Preis?

Dadurch dass ich mein Fachabitur bereits mit dem Schwerpunkt Gesundheit gemacht habe, kamen mir gerade zu Beginn der Ausbildung schon viele Themen bekannt vor. Aber auch insgesamt haben mich die Inhalte der Ausbildung so interessiert, dass mir das Lernen verhältnismäßig leicht gefallen ist und ich auch in den praktischen Teilen Spaß daran hatte, das Gelernte möglichst schnell und gut umzusetzen. Das i-Tüpfelchen war dann, dass ich für meine Leistungen während der Ausbildung noch einmal offiziell vom Verband Freier Berufe in Hessen im Kurhaus in Wiesbaden geehrt wurde.

Was sind nun Ihre täglichen Aufgaben im Krankenhaus?

Ich arbeite in der Neurologie hauptsächlich mit stationären Patient:innen und führe Funktionsmessungen durch. Eine der häufigsten Aufgaben dabei ist es, EEGs zu schreiben, also vereinfacht gesagt: die Aktivität des Gehirns zu messen. Auch verschiedene Nervenmessungen, z.B. von Armen und Beinen, Schwindel- sowie  Demenztestungen und Blutabnahmen gehören zur täglichen Arbeit. Daneben führe ich auch noch die sogenannten QS-Bögen, die ausgefüllt werden müssen, wenn Patient:innen einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung erlitten haben.

Fühlen Sie sich durch die Ausbildung gut auf Ihre jetzigen Aufgaben vorbereitet?

Insgesamt wird man sehr gut auf verschiedene Krankheitsbilder und Untersuchungen vorbereitet. Natürlich kann man aber im Rahmen der drei-jährigen Ausbildung nicht speziell auf alle Untersuchungen in sämtlichen Fachbereich eingehen. In der Neurologie musste ich beispielsweise Vieles noch neu dazu lernen. Durch viel praktische Arbeit, Selbstdisziplin und die Unterstützung von Kolleg:innen ging das jedoch recht schnell. Das macht den Beruf aber auch so spannend, finde ich. Man lernt nie aus!

Sie sind jetzt schon ein Jahr im Beruf. Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer Arbeit?

Ich arbeite sehr gerne mit Patient:innen zusammen. Der Kontakt zu den verschiedensten Menschen macht mir einfach Spaß. Natürlich gibt es auch gelegentlich Patient:innen, mit denen sich der Umgang etwas schwieriger gestaltet. Aber auch das sind Begegnungen, aus denen man lernen kann. Besonders schön finde ich es zu sehen, wie Patient:innen während ihrer Zeit hier Fortschritte machen und es ihnen, wenn sie das Krankenhaus verlassen, viel besser geht.

Welche Kompetenzen benötigt man, um in diesem Job erfolgreich zu sein? Für wen ist dieser Beruf geeignet?

Auf jeden Fall sollte man ganz viel Einfühlungsvermögen mitbringen, flexibel und belastbar sollte man sein, und auch in Stresssituationen freundlich bleiben. Und natürlich sollte man Blut sehen können, sonst wird es schwierig…

Frau Rosbach, vielen Dank für das Gespräch.