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Tipp vom Kinderorthopäden: In Bewegung bleiben - jeder Sport ist besser als keiner

Schlurfender Gang, hängende Schultern, schief fläzend vorm Computer und nachts Schmerzen in den Beinen… - manchmal machen Eltern sich Sorgen um den jugendlichen Nachwuchs: Ist das noch normal oder müssten wir etwas unternehmen?

Dr. Jürgen Fey, leitender Oberarzt im Zentrum für Orthopädie um Traumatologie, beantwortete im im Gespräch mit Frederike Hackenbroch von der Pressestelle des St. Vincenz Fragen rund um das Thema Kinderorthopädie

Ab wann ist der Rücken unwiederbringlich geschädigt? Wie erkennen Eltern am besten Fehlentwicklungen? Wann sollten sie mit ihrem Nachwuchs einen Arzt aufsuchen? Und welchen? Mit Gründung des ZOT, des Zentrums für Orthopädie und Traumatologie auf dem Schafsberg, verfügt das St. Vincenz-Krankenhaus inzwischen auch über eine Kinderorthopädie. Somit ist die orthopädische Versorgung nun für alle Altersgruppen abgedeckt: von ganz klein bis ganz groß. In einem Livestream im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Vincenz virtuell“ berichtete der Kinderorthopäde und Leitende Oberarzt am ZOT, Dr. Jürgen Fey, in einem Gespräch mit Frederike Hackenbroch von der Pressestelle des St. Vincenz-Krankenhauses über das erweiterte Angebot. Während des Streams beantwortete der Mediziner auch zahlreiche Fragen der Zuschauer.

Wenn ein Kind im Wachstum sei, greife man mit den Maßnahmen der Kinderorthopädie immer in irgendeiner Form in einen dynamischen Prozess ein: „Das macht die Sache nicht so ganz einfach“, erklärte der Mediziner. „Man kann in einem guten Sinne eingreifen und die Situation verbessern, Schäden verhindern. Aber man kann durch einen operativen Eingriff durchaus auch eine Verschlechterung herbeiführen. Dabei hängt vieles vom Timing ab. Man darf nicht zu früh eingreifen und muss andererseits aufpassen, dass man den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst.“ Alles eine Frage der Erfahrung. Grundsätzlich seien operative Eingriffe im Kindesalter allerdings eher die Ausnahme.

Wie erkennen Eltern Fehlhaltungen bei ihrem Kind? „Vor allem durch Beobachten…“, so die Antwort des Kinderorthopäden. Viele suchten die kinderorthopädische Sprechstunde nach der J1-Untersuchung beim Kinder- und Jugendarzt auf: meistens wegen des Verdachts auf eine Wirbelsäulenverkrümmung, eine recht häufige Diagnose. Überhaupt habe jede Altersgruppe so ihre speziellen orthopädischen Krankheitsbilder: Bei Neugeborenen trete die Hüftdysplasie häufiger auf, bei Kleinkindern dann Durchblutungsstörungen des Hüftkopfs, später könne es zu einem Hüftkopfabrutsch kommen.

Was tun, wenn das Kind nachts von schmerzenden Beinen aufwacht? „Etwa 30 Prozent aller Kinder sind irgendwann betroffen vom sogenannten Wachstumsschmerz“, so Fey, „typischerweise im sechsten oder siebenten Lebensjahr, aber auch im Grundschulalter. Die Ursache ist relativ einfach: Man wächst nachts.“ Rund 70 bis 80 Prozent der Wachstumshormone werden in der Nacht ausgeschüttet, erklärte der Mediziner. Die Weichteile kommen mit dem Tempo des Knochenwachstums nicht mit, sie geraten unter Spannung, so entstehen die Schmerzen. Meist tritt das Phänomen an Knie und Unterschenkel auf und ist relativ einfach zu behandeln. Trotzdem empfiehlt er, die Schmerzen abklären zu lassen, insbesondere wenn sie in irgendeiner Form abweichend auftreten. Klagt das Kind beispielsweise über Schmerzen während des Ballspielens, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, da Wachstumsschmerzen eigentlich in Ruhephasen abends oder nachts auftauchen und nicht unter Belastung. „Besser abklären, als etwas Ernstes übersehen zu haben“, so die Empfehlung des Kinderorthopäden.

Und was ist zu unternehmen, wenn das Kind Plattfüße hat – Einlagen: ja oder nein? Die Antwort des Kinderorthopäden: „Grundsätzlich NEIN. Man weiß, dass die Fußform sich mit Einlagen nicht beeinflussen lässt bei einem sonst gesunden Kind.“ Sein Tipp: viel barfuß laufen und spielerische Bewegungen ausführen wie Stiftegreifen mit den Zehen. Zu Einlagen rate er nur, wenn das Kind Schmerzen habe, um diese zu lindern. Und an welchen Arzt wendet man sich dann? – „Am besten geht man dann zum Kinderarzt; der kennt das Kind am besten und kann einschätzen, ob es sich um eine vorübergehende Problematik handelt oder eine ernsthafte Störung des Bewegungsapparates vorliegt.“ Wenn trotzdem Unsicherheiten blieben oder eine Therapie nicht den gewünschten Fortschritt bringe, bestehe mittels Überweisung vom Kinder- oder Facharzt, die Möglichkeit, mit dem Kind die kinderorthopädische Sprechstunde am St. Vincenz-Krankenhaus zu nutzen*.

Thema Homeschooling: Wie wirkt sich das viele Sitzen vorm Computer, der Bewegungsmangel, auf die Kinder aus? Antwort vom Experten: „Es entstehen keine strukturellen Schäden. Funktionell können jedoch Beschwerden verstärkt auftreten. Es kann zu Muskelverspannungen und –verkürzungen kommen, so dass Rückenschmerzen auftreten. Sein Appell: in Bewegung bleiben, egal welcher Sport; jeder Sport ist besser als keiner.

Dr. Jürgen Fey ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und verfügt über das Zertifikat „Kinderorthopädie“ der Vereinigung für Kinderorthopädie. Bis Juli vergangenen Jahres war er in der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Marienhaus Klinikum Bendorf-Neuwied-Breitenbach tätig. Inzwischen hat der Mediziner 15 Jahre Erfahrung in der Kinderorthopädie.

Sprechstunde/Kontakt Kinderorthopädie

Mo 12 bis 16 Uhr
Mi 8.30 Uhr bis 16 Uhr
Sowie nach Vereinbarung.

Telefon: 06431.292-5115
E-Mail: Mvz-ortho-lm(at)mvz-hadamar(dot)de .

Der Livestream kann auch weiterhin im Internet angeschaut werden kann unter diesem Link: kurzelinks.de/kinderortho-live.