Seitliche Unternavigation

Zusatzinformationen im Sidebar

Hauptinhalt

Tabuthema Inkontinenz: Forum Gesundheit klärt auf über neue Therapieoptionen

Ein heikles Thema stand diesmal beim „Forum Gesundheit“ in der Adolf-Reichwein-Schule auf dem Programm: Harninkontinenz. Die neue Leitende Oberärztin der Frauenklinik am St. Vincenz-Krankenhaus Dr. Lena Spath informierte über die neuesten Erkenntnisse zu Diagnostik und Behandlungsmethoden.

Auf der Liste aller Tabuthemen nimmt Inkontinenz ganz sicher einen der oberen Plätze ein. Wer redet schon gern über so etwas - und dann auch noch mit einem Fremden, selbst wenn er oder sie Arzt ist? Betroffene plagen häufig viele Fragen: Ab wann sollte man sich einem Arzt anvertrauen? Was kann man selbst tun? Und welche sonstigen Therapiemöglichkeiten gibt es? Antworten darauf sowie Einblicke in neueste Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie lieferte Dr. Lena Spath in ihrem Vortrag „Tabuthema Inkontinenz - Diagnostik, Therapie und effektive Behandlungsmethoden“. Der Beitrag war Teil der Vortragsreihe „Forum Gesundheit“, welche die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg in Kooperation mit dem St. Vincenz Krankenhaus veranstaltet und die Nassauische Neue Presse als Medienpartner begleitet.   

„Als Inkontinenz bezeichnet man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- oder Darminhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert werden soll“, so die Gynäkologin. In Deutschland leiden etwa 3,7 Millionen Menschen an behandlungsbedürftiger Inkontinenz. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen ist älter als 60 Jahre. Die Kosten für Pflege und Versorgung liegen bei etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr. Doch weniger als die Hälfte der Betroffenen sucht jedoch keine medizinische Hilfe, um die Inkontinenz abklären und behandeln zu lassen. Dabei leidet die Lebensqualität erheblich. 

Die häufigsten Formen der Inkontinenz stellen die Belastungs- und Dranginkontinenz dar. Bei der Belastungs-, auch als Stressharninkontinenz bezeichnet, kommt es zu unwillkürlichem Urinabgang bei körperlicher Belastung, wie Husten, Lachen oder Niesen - im fortgeschrittenen Stadium sogar in Ruhe. Die Drang-, auch Urgeinkontinenz genannt, ist gekennzeichnet durch vermehrten Harndrang mit oder ohne unwillkürlichen Urinverlust, durch häufiges und nächtliches Wasserlassen sowie rezidivierende Harnwegsinfekte und erschwerte oder schmerzhafte Blasenentleerung.

Doch warum kommt es zu einem ungewollten Urinabgang? „Allein schon durch den aufrechten Gang ist der Beckenboden ständig belastet”, erklärte die Medizinerin. Zusätzlich könnten Übergewicht, die hormonabhängige Bindegewebsalterung oder eine konstitutionelle Bindegewebsschwäche zu Harninkontinenz führen. Auch bei Geburten werde der Beckenboden beansprucht. Darüber hinaus kämen eine vorangegangene Beckenbodenoperation, die Entfernung der Gebärmutter oder ein chronisch erhöhter Druck im Bauchraum als Auslöser in Betracht.

Wichtig sei eine ausführliche Diagnostik, die eine gynäkologische Untersuchung einschließlich Sonografie, einen Hustentest sowie eine Urindiagnostik zum Ausschluss von Harnwegsinfektionen umfasst. Die Therapie richte sich nach dem Leidensdruck und den Bedürfnissen der Patientin. Dabei seien die ersten Therapieschritte meist konservativ: Beckenbodengymnastik, Gewichtsreduktion, Physiotherapie mit Elektrostimulation und Biofeedback. Belastungsinkontinenz könne darüber hinaus durch Östrogenisierung therapiert werden. Erst bei deren Versagen würden operative Eingriffe empfohlen. Letztlich entscheide immer die betroffene Frau über die Durchführung einer Behandlung.

Einige operative Maßnahmen erläuterte die Gynäkologin näher, wie das Legen von suburethralen Schlingen. 95 Prozent der Betroffenen konnten damit geheilt werden oder zumindest eine deutliche Verbesserung feststellen. Schwere Komplikationen seien selten, der Einsatz von Netzen und anderem Fremdmaterial werde jedoch zunehmend kritisch diskutiert. Alternativ komme die Kolposuspension in Betracht, eine Bauchoperation, die offen oder laparoskopisch zur Anhebung des Blasenhalses durchgeführt werde. Dies sei ohne Netzeinlage möglich.  

In der Therapie der Dranginkontinenz hätten sich bislang Trink- und Miktionstraining, Elektrostimulation, Medikamente wie Anticholinergika, Botox oder Neuromodulation bewährt. Als operative Maßnahme käme bei dieser Form der Inkontinenz eine sog. Intravesikale Therapie in Betracht: Während einer Blasenspiegelung werde dabei Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt. Die Wirksamkeit beginne ein bis zwei Wochen nach der Injektion und halte neun Monate an. Selten träten Harnentleerungsstörungen auf.

Urogynäkologische Sprechstunde St. Vincenz-Krankenhaus Limburg bei Dr. Spath/Dr. Fischer freitags von 8 bis 10 Uhr nach telefonischer Terminvereinbarung unter (0 64 31) 2 92-44 54, 3. Stock Sekretariat Frauenklinik. Bitte bringen Sie eine Einweisung mit Ihrer urogynäkologischer Diagnose mit sowie Vorbefunde, soweit vorhanden.  

Therapie der überaktiven Blase

  • ausreichende Trinkmenge, um konzentrierten Urin zu vermeiden
  • Blasentraining
  • Miktionsprotokoll
  • Östrogene
  • Beckenbodengymnastik
  • Reizstrom
  • Versager urodynamisch abklären
  • Anticholinergika

 

Blasentraining

  • Gang zum WC zunächst zu festgelegten Zeiten – unabhängig vom Harndrang
  • Miktionsprotokoll
  • Intervalle steigern um 5, 10 und 15 Minuten

Körpergefühl entwickeln

  • Beckenbodengymnastik bei Physiotherapeut
  • Elektrostimulation
  • Sport treiben: Bauch-Beine-Po
  • Gesunde ballaststoffreiche Ernährung
  • Viel Flüssigkeit: zwei Liter pro Tag
  • Kein Kaffee, Alkohol, Limonade, Zigaretten
  • Selbsthilfegruppen
  • Ziel: Wiederherstellung des Körpergefühls für den Blasenschließmuskel und den Beckenboden.