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„Migräne und andere Kopfschmerzen“ waren Thema beim "Forum Gesundheit"

Sie sind belastend und können äußerst quälend sein: Kopfschmerzen. Sie sind eine der häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen weltweit. Viele Ursachen kommen da in Frage – von der Migräne bis zum Hirntumor. Manch einer hat vielleicht nur zu wenig getrunken, ist dehydriert – ein anderer zu viel: ein Kater infolge Alkoholkonsums. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die noch nie Kopfweh hatten. Woher also kommt der Schmerz? Und wie kann man sich seiner entledigen? Dr. Christoph Oberwittler, Chefarzt der Neurologie des St. Vincenz, referierte jetzt im Rahmen des Forum Gesundheit zum Thema „Migräne und andere Kopfschmerzen“, deren Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten. Das Thema stieß auf überaus großes Interesse. Zahlreiche Besucher waren gekommen, um sich zu informieren und die Gelegenheit zu nutzen, mit dem Referenten ins Gespräch zu kommen.

Das Thema stieß auf übergrosses Interesse: Dr. Christoph Oberwittler, Chefarzt der Neurologie des St. Vincenz, referierte zum Thema „Migräne und andere Kopfschmerzen“

Begrüßte die zahlreich erschienenen Zuhörer im Namen der Kreisvolkshochschule: KVHS-Direktor MIchael Schneider.

Was tut beim Kopfschmerz eigentlich so weh? „Das Gehirn ist es nicht“, stellte Dr. Christoph Oberwittler klar. „Das Gehirn ist schmerzlos.“ Schmerzempfindlich seien dagegen die Hirnhäute, die Blutgefäße, Augen, Nasennebenhöhlen, Zähne, Gesicht und Wirbelsäule. Die Diagnose erfolge vor allem im Patientengespräch durch gezieltes Fragen, insbesondere nach Beginn, Frequenz, Tageszeit, Lokalisation, Dauer, Qualität, Stärke, Begleitsymptome, Auslösefaktoren, Medikation, Familien- und Sozialanamnese, Genussmittel und andere Erkrankungen. Auch CT, MRT, Ultraschall und Labor werden zur Diagnose herangezogen. Man unterscheide im Wesentlichen primäre Kopfschmerzen, die ohne eine andere Erkrankung auftreten wie Migräne, Spannungs- und Cluster-Kopfschmerz, und sekundäre Kopfschmerzen, die nach einem Halswirbelsäulentrauma, bei verschiedenen Erkrankungen wie Meningitis oder einem Tumor auftreten oder infolge des Entzugs nach Substanzgebrauch.

Der Mediziner ging auf verschiedene Arten von Kopfschmerz ein, insbesondere auf die weit verbreitete Migräne. Sie gilt als folgenschwer, weil sie Betroffene völlig außer Gefecht setzt. Häufig sei eine genetische Veranlagung Ursache für ihr Auftreten. Migräne komme mit und ohne Aura vor. „Von Migräne spricht man erst nach fünf typischen Attacken“, so Dr. Christoph Oberwittler, „die ganz überwiegend einseitig pulsierend vorkommen, meistens vorn, die Seite kann wechseln.“ Ein beidseitig auftretender Kopfschmerz spreche eher gegen Migräne. Betroffene litten unter starken, zunehmenden Schmerzen, viele seien regelrecht außer Gefecht, leiden zudem oft an Übelkeit verbunden mit Erbrechen. Manche seien zudem licht- und lärmempfindlich. Eine Attacke habe regelmäßig einen bestimmten Verlauf und könne bis zu 72 Stunden anhalten. Von Migräne mit Aura spricht man, wenn der Betroffene mindestens zwei Attacken mit speziellen Begleitsymptomen hatte, wie Seh-, Sprach-, Gefühls- oder motorische Störungen und das Auftreten nicht durch eine andere Erkrankung erklärbar ist. Die Aura könne auch ohne Kopfschmerzen anhalten. Von einer chronischen Migräne spreche man, wenn die Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate hinweg mit oder ohne Aura vorkommen. Zu den Komplikationen gehören sehr selten auch Hirninfarkt und epileptische Anfälle.

Was kann man tun? Prinzipiell empfahl Oberwittler insbesondere für die Prophylaxe, den Schlaf- und Wachrhythmus beizubehalten, Ausdauersport und Entspannungsübungen und Auslöser zu vermeiden. Ausgesprochen hilfreich sei zudem ein Migräne-Tagebuch, in dem Häufigkeit, Stärke, Dauer der Attacken und die Wirksamkeit der eingenommenen Medikamente dokumentiert werden. Dafür gebe es inzwischen sogar Apps, die eine sehr gute Dokumentation ermöglichten und das Selbstmanagement unterstützten. Außerdem empfahl er, den Auslösern der Migräne auf den Grund zu gehen. In Frage kämen Flüssigkeitsmangel, der Wechsel des Schlaf- und Wachrhythmus‘ sowie Nahrungsmittel. Außerdem stehen für die Prophylaxe Medikamente zur Verfügung. Wenn sich eine Attacke ankündigt - Betroffene merkten dies in aller Regel - sollte man sofort in ausreichender Menge und Dosis Medikamente einnehmen – und nicht abwarten. Medikamente erster Wahl seien ASS, Ibuprofen und Paracetamol, bei Übelkeit: MCP oder Motillium. Wenn dies nicht hilft, kämen Triptane zum Einsatz, gegebenenfalls könne man auch gleich Triptane nehmen – allerdings nicht während der Auraphase und nicht bei Gefäßerkrankungen am Herzen. Vorsicht gelte allerdings auch bei der Einnahme von Schmerztabletten, denn zu hohe Dosen oder zu lange Einnahmedauer könnten wiederum zu Kopfschmerzen führen. Mit Botox und CGRP-AK (Calzium Gene Related Peptide), einer Immuntherapie mit Antikörpern, stünden neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.