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Limburger Schockraumsymposium 2019 legt Schwerpunkt auf neurochirurgische Patienten

Auf überregionales Interesse stieß jetzt das zweite Limburger Schockraumsymposium: Über 80 Fachleute aus allen an der Polytrauma-Versorgung beteiligten Berufsgruppen frequentierten die Fortbildung rund um die Versorgung Schwerstverletzter, welche die Schockraum AG des St. Vincenz-Krankenhauses organisiert hatte. Im Fokus des interdisziplinären Treffens für die Experten aus Rettungsdienst und Klinik stand diesmal insbesondere die Versorgung von Patienten mit Schädelhirntrauma und Wirbelsäulenverletzungen. Mit dem Ärztlichen Direktor und Chefarzt der Neurochirurgie des Evangelischen Stifts St. Martin Koblenz, Dr. Hans-Herrmann Görge, konnte das Schockraum-Team zu diesem Thema einen Referenten mit besonderer Expertise gewinnen. Sowohl die präklinische (vorstationäre) Versorgung, als auch das Vorgehen im Schockraum, im OP, auf der Intensivstation und darüber hinaus wurden intensiv interdisziplinär diskutiert.

Über 80 Teilnehmer aus allen an der Polytrauma-Versorgung teilnehmenden Berufsgruppen konnten die Vorzüge der gerade fertiggestellten Konferenzräume im Talbau des St. Vincenz-Krankenhauses genießen.

Referent mit besonderer Expertise: Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Neurochirurgie des Evangelischen Stifts St. Martin Koblenz, Dr. Hans-Herrmann Görge.

Um eine schnelle und hochqualitative Versorgung schwerst Verletzter zu gewährleisten sei die effiziente Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen in Rettungsdienst und Klinik von zentraler Bedeutung, so PD Dr. Michael Fries, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des St. Vincenz in seiner Begrüßung. Dies beweise auch die Jahresbilanz des Limburger Traumazentrums: Bei 200 Schockraumalarmierungen im Jahr 2017 seien 92 schwerverletzte Patienten behandelt worden. Dabei seien im Benchmarking des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie überdurchschnittlich gute Prozessmarker zu verzeichnen, beispielsweise etwa die Zeit von der Patientenübergabe bis zur Durchführung einer Computertomographie oder die Liegedauer auf der Intensivstation.
Auf die Bedeutung der guten Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern gerade in diesem Kontext verwies auch der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Vincenz, PD Dr. Joachim Hillmeier. So arbeite die Krankenhausgesellschaft eng mit der Neurochirurgie des Evangelischen Stifts Koblenz unter Leitung von Dr. Görge zusammen. So können zum Beispiel radiologische Aufnahmen von Patienten mit intracraniellen Verletzungen (das sind Verletzungen im Inneren des Schädels) über eine speziell gesicherte Verbindung dorthin übertragen und sofort neurochirurgisch mitbeurteilt werden. Im Fall einer OP-Indikation wird dann individuell entschieden, ob der Patient in Limburg operativ versorgt wird oder bei komplexeren subduralen oder intracerebralen Blutungen nach Koblenz übernommen wird.
So lag auch ein Schwerpunkt des Expertenvortrags auf den verschiedenen zerebralen Verletzungsmustern und deren Behandlung. Insbesondere der Zeitpunkt des Eingriffs, der von einer sofortigen Notfall-OP bei drohender Einklemmung des Rückenmarks bis hin zu einer OP im Verlauf bei sich langsam entwickelnden Krankheitsbildern reicht, wurde intensiv diskutiert. Anhand zweier Fallbeispiele von der Erstversorgung bis hin zum heutigen neurologischen Status stellten der Leitende Oberarzt der Anästhesie, Dr. Cyrill Molitor, und der Leiter der Schockraum-AG, Dr. Christian Barnickel (Oberarzt Unfallchirurgie), die Möglichkeiten der traumatologischen Versorgung am St. Vincenz-Krankenhaus vor. Verletzungen der Wirbelsäule kann das Limburger St. Vincenz vollumfänglich selbst versorgen. Hierzu demonstrierte Martin Neubauer, Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie, die Anatomie, typische Verletzungsmechanismen, deren operative Versorgung und einige besondere Fallbeispiele.
Das übereinstimmende Resümee: Die schnelle Versorgung neurochirurgischer Patienten ist von zentraler Bedeutung. Daher sprachen sich die Experten für eine schnellstmögliche Versorgung in den Traumzentren vor Ort aus, um die speziellen Zentren nicht zu überlasten. Eine Spezialversorgung sei durch die Möglichkeit einer Sekundärverlegung im Bedarfsfall immer verfügbar. Aber nur durch die Anfahrt des nächst geeigneten Krankenhauses wie eben dem Limburger St. Vincenz sei beispielsweise eine umgehende Entlastung bei einer intracraniellen Blutung mit Hirndruck möglich.

++++++++++++ Hintergrund +++++++

Die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz will das Schockraumsymposium, erstmalig 2017 in Diez durchgeführt, künftig jährlich anbieten, um die Versorgung Schwerstverletzter in der Region zu verbessern. Das Limburger St. Vincenz-Krankenhaus ist ein durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziertes regionales Traumazentrum zur Versorgung Schwerverletzter. Dies bedeutet, dass rund um die Uhr ein Team aus speziell geschultem Personal zur Verfügung steht, welches polytraumatisierte Patienten binnen weniger Minuten nach einem definierten Protokoll im Schockraum versorgen kann. Darüber hinaus müssen weitreichende Anforderungen wie die Vorhaltung spezieller Geräte, eine Intensivstation, die sofortige OP-Möglichkeit und das Vorhandensein eines Hubschrauberlandeplatzes erfüllt werden, um den Qualitätsvorgaben der Fachgesellschaft zu genügen. Alle Patienten werden dabei statistisch erfasst und zu Qualitätsmanagementzwecken ausgewertet.

Der neue Talbau wurde seit Sommer 2018 sukzessive eröffnet. Er beherbergt mittlerweile die Rettungsdienstzufahrt, das pathologische Institut, die Notaufnahme mit Radiologie, Schockraum und eigener Station, die Stroke Unit und die Neurologische Station. Im Frühjahr 2019 wird die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin inklusive Notaufnahme und perinatalem Schwerpunkt sowie die technische Abteilung folgen. Außerdem wurden vier Konferenz-, Seminar- und Schulungsräume geschaffen.