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Dialog in Diez, Medizin vor Ort: Gut besuchte Patientenveranstaltung zum Thema Schmerzen ohne Grund

„Schmerzen ohne erkennbare Ursache – gibt es das?“ Unter diesem Schwerpunktthema stand jetzt eine Patientenveranstaltung im St. Vincenz-Krankenhaus Diez, zu der Dr. Michael Petermeyer, Facharzt für Neurochirurgie, Anästhesiologie und spezielle Schmerztherapie, eingeladen hatte. Das Thema stiess auf großes Interesse: Rund 60 Interessierte waren der Einladung zu einer Reise durch die neuesten Erkenntnisse der Schmerztherapie gefolgt.

Grosses Interesse an Informationen zu den neuesten Erkenntnissen der Schmerztherapie: Dr. Michael Petermeyer (Bild unten) sprach im Rahmen der Vortragsreihe Dialog in Diez - Medizin vor Ort.

Chronischer Schmerz sei eine eigenständige Erkrankung, für die es keine einfachen Antworten gebe, so Petermeyer. Man spricht von chronischem Schmerz, wenn die Beschwerden länger als sechs Monate bestehen bzw. dauernd oder wiederkehrend“ auftreten. Viele Patienten gingen  von Arzt zu Arzt – auf der Suche nach der einen körperlichen Ursache. Oft habe sich aber der Schmerz verselbstständigt und trete unabhängig von körperlichen Auslösern aus. Deshalb könnten Medikamente oder Massagen allein oft nicht weiterhelfen. „Schmerzen, noch dazu, wenn sie chronisch sind, können das Leben stark einschränken oder sogar zur Hölle machen“, konstatierte der Neurochirurg. Welche Ursachen Schmerzen haben können und welche Wege es zurück in ein aktives Leben gibt, darüber informierte Dr. Petermeyer in einem anschaulichen und spannenden Vortrag. 

Die Ursachen von Schmerzen unterschied er in körperliche und seelische Ursachen. Bei einem physischen Grund sei die Behandlung vorgegeben. Hier könne man konservativ oder chirurgisch weiterhelfen. Anders hingegen sei es bei Schmerzen ohne erkennbare Ursache. Hier nahm Dr. Petermeyer die Zuhörer in eine andere Richtung mit und erzählte von einer amerikanischen Studie, die einen Zusammenhang seelischer und körperlicher Schmerzverarbeitung im Gehirn belegt. Wie beim körperlichen Schmerz zeige sich beim seelischen Schmerz eine erhöhte Aktivität in derselben Hirnregion. Dies sei auch das Ergebnis einer Versuchsrunde mit Probanden in einem virtuellen Ballspiel gewesen. In diesem Cyber-Ball-Spiel, in dem man sich gemeinsam einen Ball hin- und her spielte, wurde der Proband nach einiger Zeit nicht mehr angespielt. Die Folge war eine gefühlte Zurückweisung der Versuchsperson, die im Gehirn an genau der Stelle eine Reaktion auslöste, die auch für den Schmerz zuständig ist. Die Aktivitäten in diesem Gehirnbereich seien denen sehr ähnlich , die auch bei Studien zu körperlichem Schmerz beobachtet wurden.

Es sei nicht immer leicht zu akzeptieren, dass der Schmerz manchmal keine physische Ursache habe, räumte Dr. Petermeyer ein. Da das Gehirn aber keinen Unterschied zwischen körperlichem und seelischem Schmerz kenne, seien seelische Schmerzen genauso real wie körperliche. Die Ursachen psychischer Schmerzen lägen sehr häufig in sozialer Ausgrenzung. Wer seit Monaten oder Jahren unter starken Schmerzen leide, habe seine Lebensgewohnheiten oft verändert. Hobbys und soziale Kontakte gingen verloren und der Alltag kreiseschließlich nur noch um den Schmerz. Die wichtigste Therapie für Schmerzpatienten sei deshalb der Kontakt zu Menschen. Es müsse eine Therapie gefunden werden, die sowohl Stressfaktoren, als auch Lebensumstände berücksichtige. Die Patienten müssten es schaffen, trotz Beschwerden aktiv zu bleiben oder wieder zu werden.