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Forum Gesundheit: „Staying alive – Jeder kann ein Leben retten“

Reanimation war diesmal das Thema beim Forum Gesundheit. Privatdozent Dr. Michael Fries, Chefarzt für Anästhesie und operative Intensivmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus machte den Besuchern Mut: „Fassen Sie sich ein Herz, Sie retten damit ein Leben!“

PD Dr. Michael Fries, Chefarzt für Anästhesie und operative Intensivmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, informierte beim Forum Gesundheit darüber, wie man im Notfall Leben retten kann.

Fast alle Besucher nutzten die Gelegenheit, unter Anleitung der DRK-Mitarbeiter an den Reanimationspuppen Herzdruckmassage zu üben.

Erste Hilfe konkret, Reanimationsmaßnahmen für Laien war diesmal das Thema beim Forum Gesundheit.

Annegret Bausch von der Kreisvolkshochschule Limburg begrüßte die Besucher zum Vortragsabend, der erstmals in der Adolf-Reichwein-Schule stattfand. Das Forum Gesundheit ist eine Veranstaltungsreihe der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH, der Nassauischen Neuen Presse und der Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg, bei der den Besuchern medizinische Themen verständlich erläutert werden.

Die Vorstellung, in einer Notfallsituation Erste Hilfe leisten zu müssen, löst bei vielen Menschen Unbehagen aus – und das nicht nur aus emotionaler Betroffenheit. Bei manchem liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon längere Zeit zurück. Aber auch wer schon mehrere solcher Kurse belegt hat, fürchtet vielfach, in dieser Situation etwas falsch zu machen, vor allem bei einem Herzstillstand. „Fassen Sie sich ein Herz! Sie können nichts falsch machen, es sei denn Sie tun nichts“, so die Botschaft des Abends beim Forum Gesundheit mit Privatdozent Dr. Michael Fries. „Wenn Sie nichts tun, stirbt der andere!“ Unter dem Titel „Staying alive – Jeder kann ein Leben retten“ machte der Chefarzt für Anästhesie und operative Intensivmedizin des St. Vincenz anschaulich, wie man reanimiert und warum dies so wichtig ist.

1,5 Millionen Menschen versterben jedes Jahr in den USA und Europa am plötzlichen Herztod. Viele Betroffene sind jünger als 65 Jahre und waren bis dahin beschwerdefrei. Der Herzstillstand trifft sie wie der Blitz aus heiterem Himmel und er ist vorher nicht diagnostizierbar. „Die meisten Notfälle passieren in den frühen Morgenstunden“, so der Anästhesist. Anschaulich erklärte er anhand von Bild- und Videoaufnahmen, was bei einem drohenden Herzstillstand genau im Körper geschieht und schilderte, woran man als Laie erkennt, dass ein Notfall vorliegt. „Wenn jemand bewusstlos zusammenbricht und nicht atmet, liegt ein Herzstillstand vor“, sagte der Mediziner. Dies sei keine todbringende Erkrankung per se. In den nächsten 15 bis 20 Minuten bestehe eine reale Chance, erfolgreich einzugreifen.

„Prüfen Sie, ob die Person reagiert! Sprechen Sie sie an! Erfolgt keine Reaktion, ist sie bewusstlos“, so Michael Fries. Ansonsten würde sie sich gegen die Herzdruckmassage auch wehren. „Machen Sie die Atemwege frei, prüfen Sie die Atmung! Hebt und senkt sich der Brustraum, tritt Luftstrom aus Nase und Mund, atmet die Person. Wenn keine Reaktion erfolgt und keine normale Atmung vorliegt, setzen Sie einen Notruf ab oder beauftragen jemand anderen, die Rettungsleitstelle anzurufen.“ Wenn die betroffene Person atmet, positioniert man sie in stabiler Seitenlage, bis der Notarzt eintrifft. Ansonsten muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden – so fest wie möglich, die Drucktiefe sollte bei 5 bis 6 cm liegen, mit einer Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute, entsprechend dem Rhythmus von „Staying alive“, dem bekannten Song von den Bee Gees. Bei einer festen Thoraxkompression seien die Erfolgsaussichten besser, als bei einer weniger starken Massage.

Da die Herzdruckmassage körperlich anstrengend ist, sollte man auch andere ansprechen, die ablösen könnten. „Haben Sie keine Angst“, so Fries. „Sie können nichts falsch machen, es sei denn Sie tun nichts!“ Auch eine gebrochene Rippe sei nicht schlimm. „Daran stirbt man nicht. Am Herzstillstand schon.“ Eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist nicht nötig. Wichtiger ist die Herzdruckmassage!

Sofern ein Defibrillator in der Nähe ist, gekennzeichnet durch eine grüne Box mit Blitz, öffnet man das Gerät und folgt den Anweisungen. Vor sechs Jahren hat der Lionsclub Limburg 20 Defibrillatoren an verschiedenen, stark frequentierten Standorten in der Stadt implementiert. Diese Geräte sind auch von Laien ohne jegliche Vorkenntnisse handhabbar, man müsse auch nicht befürchten, sich selbst zu gefährden, falls man bei der Anwendung den Betroffenen noch berühre – dies stelle heutzutage kein Problem mehr dar. „Die Laienreanimation erhöht die Wahrscheinlichkeit einen Herzkreislaufstillstand zu überleben um das Zwei- bis Dreifache“, so Fries.

Allerdings werden in Deutschland im Gegensatz zu den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern nur in 17 Prozent der Fälle Reanimationsversuche unternommen. In den anderen Ländern liegt die Quote deutlich über 60 Prozent. Aus diesem Grund ist die breite Schulung von Laien so wichtig.

Am Ende des Vortrags konnten die Besucher unter Anleitung von Horst Weigel und Helmut Stern vom DRK-Kreisverband Limburg an Reanimationspuppen selbst ausprobieren, wie fest man drücken sollte, um eine erfolgreiche Reanimation durchzuführen.

Erste Hilfe bei Herzstillstand:

  1. Person ansprechen: Wenn keine Reaktion erfolgt, ist sie bewusstlos.
  2. Atmung prüfen
  3. Notruf absetzen: 112
  4. Reanimation bis der Notarzt eintrifft
    - Handballen auf die Mitte der Brust legen
    - feste Thoraxkompressionen, Drucktiefe bei 5 bis 6 cm
    - 100 bis 120 mal pro Minute entsprechend dem Song „Staying alive“

Ganz anschaulich können Sie diesen Ablauf auch unserer Info-Karte zu lebensrettenden Basismaßnahmen entnehmen: Hier!